|
Lübeck im Juni 2006
Finger weg von der
Grundstücksgesellschaft Trave!
Es ist
zu begrüßen, wenn sich eine Stadt ihrer Schuldenproblematik stellt. Eine
Entscheidung für einen Verkauf der Trave wäre jedoch falsch und
kurzsichtig.
Lübeck
würde damit ein Instrument der Stadtentwicklung leichtfertig aus der
Hand geben. Durch den Verkauf des Tafelsilbers lassen sich Haushalte
nicht langfristig sanieren. Die Einnahmen aus einem Verkauf der Trave
könnten mittelfristig durch deutlich höhere Wohngeldzahlungen und enorme
Steigerungen bei den Unterkunftskosten im Bereich von Hartz IV
aufgezehrt werden. Investoren agieren renditeorientiert. Um hohe
Renditeerwartungen erfüllen zu können, wird es zwangsläufig dramatische
Veränderungen geben müssen.
Es wird
mit drastischen Mieterhöhungen zu rechnen sein, mit der Umwandlung von
Mietwohnungen in Wohnungseigentum und anschließenden Verkäufen. Vorab
werden möglicherweise umfassende und teure Modernisierungen zur
Vorbereitung von Verkäufen und zur Verdrängung von Mietern vollzogen
oder aber Investitionsstopps verhängt, dass heißt keine Sanierung oder
Modernisierung in Wohnungsbeständen, die nicht als „leicht verwertbar“
eingestuft werden. Mit dem Einzug einer „betriebswirtschaftlichen
Optimierung“ einher gehen wird die Entlassung von Mitarbeitern und die
Neuorganisation der Auftragsvergabe weg von den örtlichen Anbietern hin
zu überregional oder global agierenden Unternehmungen. Je höher der
Kaufpreis ausfällt, je höher wird das Risiko und der Verwertungsdruck
sein. Mieter und Mitarbeiter der Trave werden die Zeche zahlen müssen.
Fiskalisch betrachtet ist die Wirkung wesentlich nachhaltiger, selbst
dauerhaft Renditen aus der Bewirtschaftung der Trave zu erzielen, die
den Haushalt auf lange Sicht vergleichbar entlasten. Für
Finanzinvestoren sind Wohnungen reines Wirtschaftsgut und Renditeobjekt.
Die Wohnung als Sozialgut sowie die Interessen der Bewohner und Städte
bleiben auf der Strecke. Gewachsene Wohnstrukturen und das Zusammenleben
unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen werden beeinträchtigt. Lübeck
würde durch einen Verkauf der Trave Werte wie sicheres und bezahlbares
Wohnen für Mieter, vernünftige Investitionen und qualitative Aufwertung
der Wohnungen und des Wohnumfeldes, aktive Beteiligung an Quartiers- und
Stadtentwicklungsprozessen, langfristige Sicherung stabiler
Nachbarschaften sowie Integration unterschiedlichster
Bevölkerungsgruppen aufgeben.
Wer eine
sozialverantwortliche Politik betreibt, darf einem beabsichtigten
Verkauf der Trave nicht zustimmen. Der Mieterverein Lübeck appelliert an
die maßgeblichen Entscheidungsträger, sich nicht von einem
Millionen-Angebot täuschen und sich nicht in die Kapitalinteressen von
Finanzinvestoren einspannen zu lassen.
+++
|