Lübeck, 25.
März 2025
Ersatzneubau begrenzen
Thomas
Klempau, DMB Mieterverein Lübeck

Anhand der jüngsten
Veröffentlichungen gibt es in Lübeck
126.653 Haushalte, die Wohnraum benötigen. Bei einer notwendigen
Fluktuationsreserve von 3% beträgt der Bedarf 130.450 Wohnungen im Miet-
und Eigentumssegment. Der Bestand beträgt lediglich
121.912 Einheiten. Es fehlen also aktuell
etwa 8.500 Wohnungen.
Die Wohnungsnot ist
inzwischen zu einer verstetigten sozialen Wirklichkeit geworden. Es
bestehen erhebliche Zugangsprobleme zu leistbarem Wohnraum bei Miete und
Eigentum in sämtlichen Preis-, Größen und Wohnformsegmenten, wobei sich
die Situation für Haushalte mit eingeschränkten finanziellen
Möglichkeiten sowie auf Wohnungsmärkten in Universitätsstädten und
touristischen Hochburgen, was auf Lübeck zutrifft, noch einmal deutlich
schwieriger darstellt. Wohnraumknappheiten bedeuten für Haushalte, die
eine Mietwohnung benötigen, unzählige Bewerbungen, lange Wartezeiten,
horrende Angebotsmieten, unausgewogene Mietvertragsgestaltungen,
ungewollte Zwischenumzüge in teure Notlösungen und ähnliche Dinge. Immer
mehr Menschen machen die Erfahrung und berichten darüber in unseren
Beratungen, dass sie nahezu chancenlos bei der Wohnraumsuche sind oder
dass sie damit umgehen müssen, fast die Hälfte ihres Einkommens für die
Wohnkosten auszugeben. Dieses bedeutet nicht nur Frustration und soziale
Härte für den Einzelnen, sondern birgt auch gesellschaftspolitisches
Konfliktpotential.
Bund, Land und Kommune sind
als zentrale Akteure in der Wohnungspolitik gefordert, durch eine
entsprechend ausgerichtete Bau-, Liegenschafts- und Förderpolitik einen
wesentlichen Beitrag zu einer sozial ausgerichteten Wohnraumversorgung
zu leisten. Zudem wäre es hilfreich, sofern sich private, öffentliche
und kirchliche Arbeitgeber im Bereich der Wohnraumschaffung auf breiter
Front engagieren und ihren Beschäftigten zusätzlich zum Arbeitsplatz
eine Unterkunft anbieten würden. Darüber hinaus braucht es nach unseren
Vorstellungen einen Bestand von mindestens einem Drittel aller Wohnungen
als stabilisierende Säule, die in erster Linie nach einem gemeinnützigen
und nicht renditeorientierten Ansatz bewirtschaftet werden. Dabei ist
insbesondere an öffentliche Vermieter und die gewerbliche
Wohnungswirtschaft zu appellieren, sich im Bereich einer neuen
Wohngemeinnützigkeit zu engagieren und neben geförderten Zusatzneubau
beispielsweise auch einen Teil ihres bereits vorhandenen
Wohnungsbestandes in ein solches Konzept zu überführen.
Nach unseren Beobachtungen
findet ein Zuwachs von Wohneinheiten vorrangig bei Ein- und
Zweifamilienhäusern, Reihenhäusern und im hochpreisigen
Mietwohnungssegment statt, wohingegen es sich im Geschosswohnungsbau
überwiegend um Ersatzneubau handelt, also zunächst Wohneinheiten mit
günstigen Mieten von 6 bis 7 Euro pro Quadratmeter abgerissen und an
gleicher Stelle Wohneinheiten neu gebaut werden mit Mieten jenseits von
12 Euro. Insofern findet im Geschosswohnungsbau seit Jahren ein Abbau
des preisgünstigen Mietwohnungsbestandes statt mit dem regelmäßig
bemühten Argument, dass eine Sanierung der Wohngebäude wirtschaftlich
nicht rentierlich sei. Aus unserer Sicht wäre es dringend notwendig, in
die Jahre gekommene aber noch durchaus funktionierende
Bestandswohnungen im
Niedrigmietensektor stehen zu lassen und stattdessen den Schwerpunkt des
Zusatzneubaus auf den Geschosswohnungsbau zu legen mit einem Großteil an
kleinen und seniorengerechten Wohnungen und Wohnungen für Familien, und
zwar in einem Preissegment, welches auch für Menschen mit finanziell
eingeschränkten Möglichkeiten, für Haushalte im Leistungsbezug und
Personen mit niedrigen Renten bezahlbar ist. Denn hier sind die
Nachfrage und der Bedarf mit Abstand am größten.
Es ist wichtig, die
Situation im Bereich der Wohnraumversorgung effektiv und nachhaltig in
einen fairen Ausgleich zu bringen. Dazu bedarf es einen Masterplan
Wohnungsbau. Dem von der Wohnungswirtschaft in den vergangenen Jahren
favorisierten Ersatzneubau muss Einhalt geboten und stattdessen der
Schwerpunkt auf Zusatzneubau, Aufstockung und Ausbau von Dachgeschossen
gelegt werden. Denn entscheidend ist letztendlich nicht die Anzahl
fertig gestellter Wohnungen, sondern ob sich der Gesamtbestand auf der
Angebotsseite unter dem Strich vergrößert hat. Wie eingangs dargelegt,
fehlen bereits jetzt 8.500 Wohnungen. Es besteht also ein enormer
Nachholbedarf, der nur durch Zusatzneubau abgearbeitet werden kann. Der
seit vielen Jahren rückläufige Sozialwohnungsbestand und der nicht
ansatzweise ausreichende Zusatzneubau machen es leider absehbar, dass
auf lange Sicht die Zahl der am Wohnungsmarkt benachteiligten Haushalte
auf hohem Niveau bestehen bleiben und sich vermutlich noch erhöhen wird.
Das Wohnen zur Miete darf nicht zu einem Armutsrisiko werden!
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